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Leinder Luschen losen auch gegen Gielde
Fußball Herren
Geschrieben von: Rainer Körner   
Montag, den 08. November 2010 um 14:11 Uhr

So würde zumindest das Revolverblatt mit vier Buchstaben ihren Sportteil aufmachen, wenn wir Bundesliga spielen würden. Machen wir nicht, trotzdem haben es die Leinder Tifosi dieser Tage gar nicht einfach. Nachdem der harte Auftakt gegen die Top-Mannschaften der Leistungsklasse für Leinder Verhältnisse recht schadfrei überstanden wurde, ging es gegen Teams im Mittelfeld relativ vielversprechend weiter. Ansprechender Fußball, hochklassige Verköstigung und gutes Wetter ließen die Zuschauer in Scharen an die Gänseweide pilgern. Zu dumm, wenn man dann gegen einen vermeintlichen Abstiegskandidaten so einen Bockmist verzapft wie an diesem Sonntag.

Losen (sprich: luhsen) heißt im Deutschen verlieren, im Sinne von richtig mies versagen. Dabei sah es nach drei Minuten so aus, also ob alles nach Plan liefe. Steffen Eggert setzt sich auf Rechts durch, zieht in den Strafraum, Querpass auf den zweiten Pfosten, dort wartet Viktor Meier vor dem leeren Tor. Hört sich gut an, leider geht die Kirsche nur an den Pfosten. Möp! Das wäre nicht weiter tragisch gewesen, hätte man den Gegner Gielde nicht schon im Vorfeld zum Opfer verdonnert. Dieses Opfer wollte aber so gar nicht zur Beute werden und besaß in der 10. Minute sogar die Frechheit, über ihre rechte Seite in die Leinder Hälfte vorzudringen und den Ball kurz vor dem Tor ebenfalls quer auf einen Mitspieler zu legen. Der TSV sah seinerseits wenig Notwendigkeit, die Gielder aktiv in Manndeckung zu nehmen, so dass der "krasse Außenseiter" recht früh und (wie immer) völlig unerwartet in Führung ging.

Wer jetzt dachte, der TSV würde aufwachen und sich auf sein Spiel besinnen, wurde als verzweifelter Träumer enttarnt. Zweikämpfe wurden konsequent verweigert und ein aktives Gestalten des eigenen Spieles fand quasi nicht statt. Stattdessen wurde fast ausschließlich mit langen Bällen agiert, die wahlweise aufgrund üblen Stellungsspiels, mieser Technik oder einfach nur hölzernem Fußball an der Gielder Verteidung verpufften. Und wenn ein Ball doch mal flach nach vorne getragen wurde, dann konnte dies von den verblüfften Zuschauern meistens als gut gemeinte Einzelaktionen bestaunt werden, die schon weit vor dem gegnerischen Strafraum ihr klägliches Ende fanden.

So wunderte sich wahrscheinlich auch niemand, dass Gielde seinen Vorsprung vor der Halbzeit auf 2:0 ausbauen konnte. Nach der Pause änderte sich im Leinder Spiel wenig, Einsatz und vor allem Spielvermögen waren an diesem Sonntag einfach nicht existent. Ganz im Gegensatz zu Gielde. Obwohl dieses Team alles andere als Über-Fußball zelebrierte, nutzen sie ihre Chancen geschickt zum 3:0 nach gut 70 Minuten. Eine Demontage bahnte sich an. Doch jetzt, da schon alle Messen gesungen schienen, erwachte der TSV doch tatsächlich aus dem viel zu frühen Winterschlaf!

Mit der zweiten gelungen Kombination des TSV seit gefühlten acht Wochen köpfte Steffen Eggert den Ball nach schönem Pass von Viktor Maier aus kurzer Distanz in die Maschen. Jetzt war endlich Feuer in der Partie. Schon eine Minute später gab es Freistoß für Leinde aus halbrechter Außenposition, ein Job für Micha Gafka. Und - endlich, endlich, endlich - versenkt auch der mal wieder einen Freistoß direkt im Kasten. 3:2 und noch 14 Minuten zu spielen. Gielde am Boden, die Hosen voll bis zum Rand, völlig fertig, ein Mann weniger und ein anderer nur noch humpelnd unterwegs. Das Spiel stand auf der Kippe, das war jedem klar.

Wohin es kippen kann, war einigen jedoch nicht ganz klar. Typisch. Es konnte nur eine Richtung geben - für Leinde! Also Kopf runter, ab durch die Wand, koste der Ausgleich was er wolle. Für einige Akteure des TSV sind Mitspieler dann auch nur lästiges Beiwerk, unnötig, sie auf dem Weg zum Tor einzubinden. Zu diesem Zeitpunkt hätte niemand etwas gegen einen Maradonna-mäßigen Alleingang zum Ausgleich gehabt. Nach drei Zweikämpfen in Folge aber an der Mittellinie den Ball zu verlieren, damit einen Konter des Gegners einzuleiten, der nur durch ein Foul abgefangen werden konnte und dessen anschließender Freistoß zum 4:2 für Gielde führte, ist im besten Fall dumm. Vor allem, wenn mittlerweile gebetsmühlenartig vor jedem Spiel angemahnt wird, den Ball laufen zu lassen, statt immer nur mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Schön, dass im Fußball die Strafe immer gleich auf den Fuß folgt.

Dass Leinde vier Minuten vor dem Ende sogar noch das Anschlußtor zum 4:3 schaffte, zeigt, dass die Mannschaft doch noch nicht völlig in der Winterpause verschwunden ist. Aber wenn man es mal realistisch betrachtet, hat sich Gielde nach dem 3:0 ausschließlich auf Verteidigung beschränkt. Aufgrund der Unterzahl und den fehlenden Auswechslungen beim Gegner hatte Leinde einfach den Raum, den wahrscheinlich selbst eine Ü40-Mannschaft zu diesem Zeitpunkt für zwei Tore genutzt hätte. Am Ende bleibt eine enttäuschende Leistung und die Hoffnung, dass sich der TSV irgendwann mal wieder auf Fußball besinnt.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 08. November 2010 um 14:22 Uhr
 
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