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TSV Leinde macht Durchmarsch perfekt!
Fußball Herren
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 02. Juni 2010 um 10:38 Uhr

Einen Spieltag vor Schluß ist es geschafft - der TSV spielt in der kommenden Saison in der Leistungsklasse. Der letzte Widersacher VfR Weddel konnte den dringend benötigten Sieg in Leinde nicht erreichen und verpasst nach einem 3:3 Unentschieden erneut den Aufstieg in die Leistungsklasse. Eine gebrochene Nase und ein gebrochenes Wadenbein sind Bilanz einer Weddeler Mannschaft, deren größte Leistung an diesem Tag in der bemerkenswert konstanten Unsportlichkeit lag.

Hartes Spiel erwartet

Zumindest die Voraussetzungen vor dem Spiel ließen es ahnen: Bei 5 Punkten Rückstand und nur noch zwei verbleibenden Spielen brauchte der VfR Weddel dringend einen Sieg, um zumindest im letzten Spiel von einem Ausrutscher der Leinder in Salzdahlum profitieren zu können. In diesem Sinne erwartete Trainer Ronny Hopert eine "griffige Truppe", die zumindest in der Anfangsphase "abgeht wie die Feuerwehr". Und wie so oft in der Saison, in die der TSV als Aufsteiger startete, sollte er auch an diesem entscheidenden Spieltag nicht verkehrt liegen.

Dem Trainer des TSV stand vor dem Spiel der komplette Kader zur Verfügung, weshalb es auch keine Überraschungen in der Aufstellung gab. Michael Gafka konnte nach kurzer Verletzungspause die Liberoposition besetzen, Daniel Vogel und Maik Schwandt traten in ihrer Parade-Rolle als Manndecker auf. Im Mittelfeld verließ sich Ronny Hopert auf Eugen Meier, Christian Volkmer, Rainer Körner, Walter Walth und Christian Armgart, der nach seiner Gastspiel-Saison in Leinde wahrscheinlich zur Germania nach Wolfenbüttel wechselt. In der Offensive erhoffte sich der Trainer von Viktor Meier und Steffen Eggert ein frühes Tor, um Weddel gar nicht erst zum Spiel finden zu lassen.

Akt I

Ein ähnliches Ziel hatte sich wohl auch Weddel auf die Fahne geschrieben. Nur hatten die neben dem Standard-Vorrat an Fußballerwerkzeug eben noch alles schuftige Rüstzeug auf den Platz geschafft, das selbst mit den in der Kreisklasse entschärften Grundsätzen der Fußballer-Fairness schwer zu vereinen ist. Und so sah es nach gut 15 Minuten aus, als sollte diesmal tatsächlich Franz von Moor (oder Sauron oder Drecksackblase für die jüngeren, J.R. Ewing oder die böse Stiefmutter von Schneewittchen für die älteren) den besseren Tag erwischt zu haben.

Drama, Good and Bad Guys

Der Spielverlauf ähnelte in der Tat einer Reinform des Dramas, das Vergleiche mit den großen Werken nicht zu scheuen braucht: Zu Beginn des Spiels stellten sich die Protagonisten des Schauspiels den Zuschauern kurz vor und gaben recht schnell zu erkennen, wer Edelmann und wer Schurke war. Mit vier, fünf rüden Fouls sicherte sich Weddel schnell die Rolle des Bösewichts, was dem fußballkundigen Fachvolk am Spielfeldrand aber schon vor dem Spiel klar war.

In der Folge entwickelte sich durch das betont dominante Spiel des VfR Weddel ein dramaturgischer Konflikt, (alles klar?) der die Zuschauer in einen Zustand emotionaler Rastlosigkeit versetzte. Ein zudem völlig unerwarteter Querpass vom Leinder Libero-Heroen vor dem eigenen Tor (!!) stürzte die Gefolgsleute des Guten schnurstracks in ein Tal der Tränen, als Maik Schwandt im Tiefflug nur auf Kosten eines Elfmeters das Führungstor verhinderte. Es hätte nicht in den Rahmen gepasst, hätte sich Weddel diese Chance entgehen lassen. 1:0 für Drecksackblase nach nur 8 Minuten, um bei Spongebob zu bleiben.

Eine solche Situation an sich (das Gute so früh so tief am Boden!) ist für jeden Anhänger der Tugendhaftigkeit kompliziert und äußerst schwer zu ertragen. Just in diesem Moment schickte sich auch der Unparteiische an, an der Güte des TSV zu kratzen und drohte, den Konflikt vorzeitig eskalieren zu lassen, indem er gleich mehrmals den geschickten Gaunereien der Weddeler Offensivspieler auf den Leim ging.

Es war Steffen Eggert zu verdanken, dessen Ausgleichstreffer in der 20. Spielminute zu dem im Drama so wichtigen retardierenden Moment führte und die Hoffnung am Leben hielt, wenn auch auf kleiner Flamme. Das Blatt schien sich zu wenden, denn mit attraktiven Kombinationen erspielte sich der TSV eine Überlegenheit im ersten Akt, vergab jedoch beste Chancen im Stile eines spendablen Ritters, der den Schurken bereits am Boden sieht und Gnade walten lässt. Bis zur Halbzeit konnte nichts zählbares mehr verbucht werden, so dass es mit 1:1 in die Halbzeit ging.

Freier Fall und gebrochene Knochen

Zu Beginn des zweiten Aktes schwante den TSV-Anhängern nichts Gutes, als ihr Team die Bühne erneut im Kaninchenkostüm mit Tanzrock betrat. Den barbarischen Angriffen der Weddelaner konnte und wollte nur wenig entgegengesetzt werden. In der 55. Minute fand sich in der gesamten Defensive des TSV niemand, der dem Weddeler Mittelfeldspieler verweigerte, den Ball in ansehnlicher Weise über die Abwehr zum eigenen Stürmer zu heben, der allein vor dem Tor und unter staunenden Blicken der gesamten Leinder Hintermannschaft den VfR Weddel wieder zurück ins Aufstiegsgeschäft schoß.

In einer mittelalterlichen Saga hätte unser Held jetzt einen Dolch zwischen den Rippen und ähnlich eingeschränkt agierte das Leinder Team jetzt auf eigenem Platz. Wer dachte, Weddel würde seinem Gegner jetzt etwas Luft lassen, der sah sich im Irrtum. Viktor Meier wagte an der Außenlinie ein Tänzchen mit einem fiebrigen Mittelfeldspieler und musste bitter dafür bezahlen. Gut, dass sich erst nach Spielende herausstellte, dass der Weddeler ihm das Wadenbein gebrochen hatte, denn einige Zuschauer wollten den Übeltäter nach römischer Tradition am besten gleich im Brückenbach versenken. In dem nur wirklich fiesen Unholden typischen Zynismus forderte der Weddeler Libero Viktor sogar auf, sich "nicht so anzustellen", aufzustehen und weiterzuspielen. Spätestens jetzt war jedem klar, warum mehrere Spieler aus dem Umland nach Leinde gereist waren, um gerade Weddel nicht aufsteigen zu sehen.

Das Drama schien sich endgültig zu einer Tragödie zu entwickeln, als der taumelnde TSV den Ansturm des VfR nichts mehr entgegensetzen konnte. Gleichsam ohne Gegenwehr konnte Leindes Gegner das Mittelfeld passieren, den Ball vor der Abwehr nach Belieben querspielen, um letztendlich in der 63. Minute mit einem Distanzschuß ins rechte untere Eck das 1:3 zu erzielen. Da war sie, die Katastrophe und der Held bereits in freiem Fall.

Tore und mehr Blut

Der Trainer setzte alles auf eine Karte, brachte mit Dirk Tabbert einen neuen Libero, Michael Gafka wurde ins Mittelfeld beordert und bis auf Vogel und Schulze befand sich alles auf dem Weg zum gegnerischen Tor. Mit dabei der zur Rückrunde aus Adersheim gewechselte Chrissi Göbel, der seine Stärke in der Offensive bisher nicht ausreichend unter Beweis stellen konnte. In der 75. Minute jedoch nahm er im gegnerischen Strafraum den Ball fest ins Visier und kommandierte in seiner ganz eigenen Art ("Lass! Lass! Laaaass!") sowohl Mit- als auch Gegenspieler aus dem Weg und prügelte die Kugel aus 6 Metern in den Kasten. Auch der Schiedsrichter hatte zur Abwechslung mal nichts dagegen, erkannte das Tor an und der Verlauf nahm 15 Minuten vor Schluß seine Wendung.

Alles schien nun möglich, Leinde klappte endlich das Visier nach oben und schien überzeugt, aus einem der unzähligen Erfolg versprechenden Angriffe doch noch das Aufstiegstor zu erzielen. Dem VfR blieb oft nur der Befreiungsschlag. Doch Weddel wäre nicht Weddel, wenn sie nicht auch das neu definieren würden. In der 78. Minute sollte ein hoher Ball aus der Weddeler Verteidigung vom gerade auf den Platz gekommenen Dirk Tabbert abgefangen werden und drohte postwendend wieder Richtung Tor zu fliegen. Das wollte der Angreifer scheinbar so nicht hinnehmen und legte den Begriff Befreiungsschlag kurzum wörtlich aus.

Statt wie von den Regularien gefordert, Richtung Ball zu springen, entschied der Angreifer, dass Dirk Tabbert ein lohnenderes Ziel sei. Mit vollem Körpereinsatz landete er im Gesicht des Leinder Liberos, brach diesem kurzerhand die Nase* und verhinderte nebenbei erfolgreich die Ballabwehr. Hätte es sich hier um einen tugendhaften Angreifer gehandelt, hätte er dem blutüberströmten Verteidiger bei der Erstversorgung geholfen und sich anschließend in aller Form entschuldigt. Er entschied sich aber, zumal der zittrige Schiedsrichter keine Anstalten machte, das Foul zu ahnden, auf ungesittete Art die Gelegenheit am Schopfe zu packen und vollendete Tatsachen zu schaffen.

Diese Rechnung wäre wohl bei jedem Leinder aufgegangen, nur nicht beim alten Haudegen. Geistesgegenwärtig bekam dieser noch im Fallen den Schuft am Hals zu packen und verweigerte ihm mit einer imposanten Gegenmaßnahme die Vollendung seines Frevels. Was der Besorgnis erregende Schiedsrichter als Tätlichkeit wertete (und mit Rot bestrafte), kann man im Zusammenhang des übergeordneten Kontextes aber gern auch als Selbstopfer mit symbolischer Bedeutung betrachten. Nicht eine Minute später hätte das Zeichen an das Weddeler Team gehen dürfen: Was ihr könnt, können wir schon lange!

Die Rückkehr der TSV-Ritter

Und die Nachricht schien angekommen zu sein, denn von nun an spielte der TSV den VfR an die Wand. Zahlreiche gute Chancen wurden vergeben, aber die Uhr lief unbeirrt dem Ende entgegen. Wie lange noch? Noch 8! Noch 6! Noch 4! Macht ihn doch endlich rein! Verzweiflung und Hoffnung, versetzt mit Schmährufen an den Gegner prägten die letzten Minuten, die Stimmung war geladen. Gestocher im Strafraum, abgewehrt. Schöner Fußball wurde heute nicht gespielt. Aber der Ball befand sich schon wieder auf dem Weg zum Weddel-Tor, Querpaß, Schuß, abgewehrt! Tobi Schulze stürmt nach vorn, wird aber wieder zurück ins Tor geschickt - zu riskant!

Und dann fällt der Ball Steffen Eggert vor die Füße, gute zwei Minuten vor Schluß, vier Meter vor dem Tor! Jedem hätte die Kugel vor die Füße fallen können, genügend Anwärter tummelten sich ja im Sechzehner. Sie hat sich aber Steffen Eggert ausgesucht. Weil sie wohl ahnte, dass nur er aus ihr noch das machen konnte, was nötig war, um die Bestimmung der Mannschaft zu erfüllen. Er formte aus ihr das erlösende Projektil mit der Fähigkeit, den Traum einer ganzen Mannschaft zu zerstören und ließ es unhaltbar zum 3:3 Ausgleich im gegnerischen Netz einschlagen. Danach folgte ein Torjubel, wie man ihn in der Kreisklasse eher selten sieht. Nach zwei Minuten war dann endgültig Schluß, Weddel konnte dem Schock nichts mehr entgegensetzen und so löste sich jegliche Anspannung nach dem Schlußpfiff in ausgelassenen Jubel. Gib mir ein H! Gib mir ein U! Scha La La La! Und so weiter, das volle Programm.

Leistungsklasse - und nun?

In der kommenden Saison spielt der bescheidene Ortsverein TSV Leinde also in der Leistungsklasse, u.a. gemeinsam mit dem ESV Wolfenbüttel, SV Fümmelse 1 (!) oder auch Germania Wolfenbüttel II, die als Tabellenerster der 1. Kreisklasse ebenfalls den Durchmarsch feierten. Glückwunsch noch einmal von dieser Stelle. Abgänge wie Christian Armgart und Marvin Ledermann (ablösefrei Richtung Fuhsetal (Kreisliga)) werden die kommende Saison wohl zu einer der schwersten in der Geschichte des Vereins werden lassen. Dass die Mannschaft aber außergewöhnliche Leistung vollbringen kann, hat sie mehrfach bewiesen. Wozu es in der Leistungsklasse reicht, wird man bald sehen.

* eine ärztliche Diagnose steht noch aus

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 03. Juni 2010 um 09:24 Uhr
 
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