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TSV Leinde stabil auf niedrigem Niveau
Fußball Herren
Geschrieben von: Rainer Körner   
Montag, den 26. Oktober 2009 um 14:48 Uhr

Der TSV Leinde wäre nicht der erste Aufsteiger, der mit fliegenden Fahnen in die neue Saison startet und sich auf blutigen Knien in die Winterpause rettet. Das 2:2 beim Tabellenvorletzten Bornum vor zwei Wochen war der Höhepunkt eines erschreckenden Formtiefs, das Erinnerungen an längst vergangen geglaubte Zeiten weckte. Am vergangenen Sonntag gegen Kissenbrück/Remlingen wurde einiges besser gemacht, Lichtblicke waren aber dem guten Wetter vorbehalten.

Um dem Kissenbrück-Spiel etwas positives abzugewinnen, muss man es in Relation zum Spiel in Bornum setzen. Vor 14 Tagen lag der TSV erwartungsgemäß mit 2:0 in Führung, als sich Tomek ohne Einwirkung des Gegenspielers beim Abgrätschen den rechten Ellenbogen zertrümmerte. Das lange Warten auf den Notarzt war gefolgt vom kollektiven Ausfall des Fußballhaupthirns samt Nebensynapsen. Der aggressiven Spielweise der Bornumer setzte der TSV freundliche Einladungen zum Torschuß entgegen. In der Offensivbewegung lief man mit einer beeindruckenden Regelmäßigkeit dem Gegenspieler samt Ball in die Arme, als ob das im Training einstudiert wurde. Oder man bot dem opositionellen Balltretern kostenlosen Geleitschutz in die eigene Hälfte an. Nach einer schnellen Kombination und einem Sonntagsschuß war der Vorsprung dahin und einige fragten sich zurecht, wer denn an diesem Tag nun einen Punkt gewonnen hatte. Da lohnte auch der Einwand nicht, dass der Gegner streckenweise überhart agierte und einige Spieler frühzeitig zum Duschen hätten geschickt werden müssen oder ein klarer Elfer einfach verweigert wurde. Das anschließende spielfreie Wochenende kam letztendlich gelegen, um die 'Teufelei von Bornum' aus dem Kopf zu bekommen.

Am vergangenen Sonntag war aber dennoch eine gehörige Portion Verklemmtheit zu spüren und Trainer Ronny Hopert forderte von der Mannschaft, über den Kampf an alte Leistungen anzuknüpfen. Das schien der SG Kissenbrück/Remlingen, immerhin Tabellen-Zehnter, jedoch besser zu gelingen als dem Aufsteiger. Der TSV ließ die müden Kombinationen des Gegners im eigenen Mittelfeld weitgehend gewähren, Zweikämpfe wurden erneut lieber vermieden. Der Rückstand nach gut 20 Minuten war die logische Folge eines willenlosen Kicks gepaart mit unerträglicher Überheblichkeit. Ronny Hopert am Spielfeldrand hatte schon längst jegliche Etikette über Bord geworfen und nur die Außenlinie hielt den Trainer davon ab, seinen Spielern mit einem Kick in den Allerwertesten die nötige Einstellung zu injizieren, die man braucht, um sich aus der gegenwärtigen Situation selbst zu befreien.

Das Gebräu aus Rückstand, Demütigung, Poltergeist (Trainer) und einem Funken Rest-Ehre schien dem Patienten auf dem Weg zur Todesbank jedenfalls zu helfen. Endlich war der Wille zu erkennen, dem Team aus Kissenbrück, das neben seiner fußballerischen Biederkeit auch auf zwischenmenschlicher Basis in absehbarer Zukunft keine Rendite erwarten darf, keine weiteren Geschenke mehr zu überreichen.

Steffen Eggert untermauerte seinen Nr.-1-Status im Sturm und zeigte, dass er auch in schwierigen Zeiten in der Lage ist, die Erwartungen zu erfüllen und das gesamte Team aufzubauen. Sein Ausgleichstreffer zum 1:1 kippte das Spiel zugunsten des TSV. Bezeichnenderweise übernahm A-Jugend-Spieler Chrissi Armgart die Verantwortung, einen Elfmeter zur 2:1-Führung zu verwandeln, und kurzzeitig konnte man das Gefühl haben, dass Fortuna den TSV zurück in ihren Schoß genommen hat: Kissenbrücks bester Spieler zerstörte mit einem Eigentor zum 3:1 die letzten Hoffnungen seines Teams, beim humpelnden TSV doch noch was reißen zu können. Walter Walth markierte den 4:1 Endstand durch einen Abstauber nach bester Mittelstürmermanier.

Aus, Schluß vorbei, gewonnen, Rückstand umgebogen, und Eier gezeigt. Mehr wollte dann auch der Trainer an diesem Sonntag nicht erwarten. Am Wochenende geht es jedoch gegen ein ganz anderes Kaliber: MTV Wolfenbüttel III, aka United. An diesem Team ist zwar wie an keinem anderen erkennbar, was es bedeutet, dass wir alle älter werden. An guten Tagen sind sie jedoch in der Lage, jedes Team der Liga zu schlagen. Auf jeden Fall wird der TSV ein körperliches Spiel erwarten müssen, indem die Tugenden, die sich gerade wieder im Aufbau befinden, gefragt sein werden wie selten zuvor.

Trotz der Schwächephase sieht es für den TSV in der Tabelle weiterhin positiv aus. Obwohl die Chance vergeben wurde, sich mit einem komfortablen Polster auf einem Aufstiegsplatz festzusetzen, hat man sich im Vergleich zum Konkurrenten VfR Weddel einen Patzer weniger geleistet und liegt mit Platz zwei und drei Punkten Vorsprung weiterhin gut im Rennen um einen Aufstiegsplatz. Die Vergangenheit lehrt aber, dass genau das kein Grund sein sollte, sich zurückzulehnen wie es in den vergangenen Wochen der Fall war.

 
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